Woran man erkennt, ob ein Medienformat zum Unternehmen passt

Podcast, Magazin, Newsletter: Die Idee für ein eigenes Format ist selten das Problem. Ob es zum Unternehmen passt, zeigt sich an drei Fragen, die vor der Konzeption beantwortet werden sollten.

Von Torben Dill Aktualisiert am 5 Minuten Lesezeit

Ein Podcast ist in einer Stunde beschlossen. Ein Newsletter auch. Die Frage, ob das Format zum Unternehmen passt, stellt sich meist erst später, wenn die dritte Ausgabe fällig ist und niemand mehr so richtig weiß, wer sie eigentlich schreiben soll.

Drei Dinge zeigen vorher, ob ein eigenes Medienformat trägt. Erstens: eine beantwortete Frage, wofür das Unternehmen steht. Zweitens: eine Zielgruppe, die genau dieses Format tatsächlich sucht. Drittens ein Redaktionsplan, der auch dann noch funktioniert, wenn die Anfangslust längst verflogen ist. Fehlt eines der drei, hilft die schönste Idee wenig.

Die Formatfrage kommt vor der Kanalfrage, nicht danach

In Erstgesprächen taucht fast immer dieselbe Frage auf: Podcast, Magazin oder doch lieber ein Video-Format? Dahinter steckt selten die eigentliche Frage. Meist ist gar nicht geklärt, wofür das Unternehmen steht und wen es erreichen will. Wer das klärt, beantwortet die Formatfrage nebenbei. Wer sie überspringt, produziert Aufwand ohne Wirkung, egal wie gut das gewählte Format an sich funktioniert.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Ein Fachbetrieb mit einem klaren Kundenversprechen, sagen wir: schnelle Reaktionszeiten bei Störungen, findet in einem kurzen Video-Format, das genau diese Reaktionszeit zeigt, sofort eine Aussage. Ohne diese Klarheit bleibt jedes Format ein Kanal auf der Suche nach einem Inhalt. Die Positionierung ist damit keine Vorstufe zur Formatentscheidung. Sie ist der Inhalt, aus dem sich das Format ableitet.

Das lässt sich auch umgekehrt prüfen. Fällt es schwer, in zwei Sätzen zu sagen, worüber ein neues Format regelmäßig berichten würde, ist das kein Formatproblem. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Positionierung noch nicht trägt. Ein Newsletter kann diese Lücke nicht füllen, er würde sie nur sichtbarer machen, Woche für Woche.

Der Test, der zählt: Funktioniert das auch im November?

Bei Formaten wie Newsletter, Podcast oder Magazin liegt das Problem fast nie in der Idee. Es liegt in der zweiten Hälfte des ersten Jahres, wenn die anfängliche Begeisterung weg ist und trotzdem eine Ausgabe fällig ist. Die ehrliche Frage vor dem Start lautet deshalb nicht: Ist das eine gute Idee? Sie lautet: Schaffen wir das auch im November, wenn das Tagesgeschäft drängt und die Themen nicht von selbst kommen?

Diese Frage lässt sich vorab prüfen, ohne dass ein einziges Wort produziert wird. Wer trägt die Verantwortung, wenn die verantwortliche Person im Urlaub ist? Woher kommt die zehnte Ausgabe, wenn die ersten drei Themen aufgebraucht sind? Wer entscheidet, wenn eine Ausgabe fachlich nicht überzeugt, ob sie trotzdem erscheint? Ohne Antworten auf diese Fragen ist die Formatidee eine Wette auf die eigene Motivation. Motivation lässt im Alltag erfahrungsgemäß als Erstes nach.

Was aktuelle Zahlen dazu zeigen

Dass der Engpass hier liegt, zeigt sich auch außerhalb einzelner Unternehmen. Im aktuellen B2B-Report von Content Marketing Institute und MarketingProfs, einer Befragung mit 980 B2B-Antworten aus insgesamt 1.229 globalen Rückmeldungen, geben 45 Prozent der Befragten an, kein skalierbares Modell für ihre Content-Produktion zu haben. Selbst unter denen, die eines besitzen, sagt nur eine Minderheit, dass es die gewünschten Ergebnisse liefert. Die Idee ist also fast nie das Problem. Der Betrieb ist es.

Ein ähnliches Bild zeigt die Bitkom-Studie „Marketing im digitalen Wandel 2026”, eine Befragung von 180 Unternehmen der Digitalbranche. 43 Prozent der Befragten sehen einen steigenden Ressourcenbedarf für die Content-Erstellung, 38 Prozent für Social Media. Der Bedarf wächst also schneller als die Kapazität, die ihn decken soll. An dieser Lücke zwischen Anspruch und Kapazität scheitern neue Formate zuerst, lange bevor die Idee selbst zur Debatte steht.

Nicht jedes Format bringt, was es verspricht

Selbst ein Format, das durchgehalten wird, ist damit noch nicht die richtige Wahl. HubSpots „State of Marketing Report 2026”, eine Befragung von mehr als 1.500 Marketingverantwortlichen weltweit, fragt nach dem Format mit dem größten wahrgenommenen ROI. Kurze Videoformate führen mit 48,6 Prozent, lange Videoformate folgen mit 28,6 Prozent. Podcasts und Audioinhalte landen am Ende der Liste, mit gerade einmal 0,2 Prozent. Der Aufwand für eine Audioproduktion ist dabei nicht geringer. Im Vergleich fällt er eher höher aus.

Das heißt nicht, dass ein Podcast grundsätzlich die falsche Wahl ist. Für ein Fachthema mit einer kleinen, sehr genau umrissenen Zielgruppe kann er die richtige Form sein, auch wenn die Reichweite überschaubar bleibt. Es heißt nur: Die Popularität eines Formats sagt wenig darüber, ob es für die eigene Zielgruppe und die eigenen Ressourcen die passende Form ist. Das muss jedes Unternehmen für sich selbst prüfen.

Drei Fragen vor der Konzeption

Vor der ersten Ausgabe lohnt sich ein kurzer, ehrlicher Check, unabhängig vom gewählten Format:

  • Wofür steht das Unternehmen, und lässt sich das in diesem Format zeigen? Ein Format ohne Aussage ist nur ein zusätzlicher Kanal.
  • Wer genau soll das Format regelmäßig nutzen, und sucht diese Gruppe es überhaupt in dieser Form? Ein Podcast für eine Zielgruppe, die lieber liest, verfehlt sein Ziel, egal wie gut produziert.
  • Wer füllt die zehnte Ausgabe, wenn die ersten Themen aufgebraucht sind? Ohne eine Antwort darauf ist jede weitere Überlegung verfrüht.

Wer diese drei Fragen vor der Konzeption beantwortet, wählt seltener ein Format, das nach der dritten Ausgabe wieder verschwindet. Und wer sie nicht beantworten kann, weiß damit schon mehr als vorher: Es ist noch nicht die Formatidee, die als Nächstes ansteht, sondern die Klärung davor.

Diese Klärung braucht selten Wochen. Oft reicht ein einziger Termin mit den richtigen Personen im Raum, um die drei Fragen ehrlich zu beantworten. Was danach an Formatideen übrig bleibt, ist kleiner als vorher. Es ist aber tragfähig. Dieser Unterschied entscheidet, ob ein Format drei Jahre läuft oder ob sich in zwölf Monaten niemand mehr daran erinnert.

Quellen

  1. B2B Content Marketing: 2025 Benchmarks & Trends Content Marketing Institute und MarketingProfs · abgerufen am 05.08.2026
  2. Marketing im digitalen Wandel 2026: Zwischen Effizienz, Automatisierung und Wettbewerb Bitkom e. V. · abgerufen am 05.08.2026
  3. State of Marketing Report 2026 HubSpot · abgerufen am 05.08.2026

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