Marketingstrategie für mittelständische Unternehmen

Warum die meisten Mittelstandsstrategien an der Priorisierung scheitern und welche vier Bestandteile eine Strategie tatsächlich braucht.

Von Torben Dill Aktualisiert am 7 Minuten Lesezeit

Die meisten mittelständischen Unternehmen haben kein Marketingproblem. Sie haben ein Entscheidungsproblem. Es wird viel getan, oft solide gemacht, und trotzdem kann niemand im Haus erklären, warum genau diese Aktivitäten laufen und andere nicht.

Eine Marketingstrategie löst das. Nicht, weil sie ein Dokument ist, sondern weil sie eine Reihe bewusster Entscheidungen festhält. Vor allem die Entscheidung, was Sie nicht tun.

Was eine Marketingstrategie ist und was nicht

Eine Marketingstrategie beantwortet drei Fragen und wendet die Antworten konsequent an: Was wollen wir erreichen? Wen erreichen wir dafür? Und warum sollte diese Zielgruppe uns wählen? Alles Weitere, also Kanäle, Maßnahmen und Budgets, leitet sich daraus ab.

Keine Strategie ist dagegen: eine Liste geplanter Maßnahmen, ein Redaktionsplan, ein Budget, eine Wettbewerbsanalyse ohne Konsequenz oder eine Sammlung von Zielen, die alle gleich wichtig sind.

Der Lackmustest: Wenn Ihre Strategie nicht sagt, was Sie bewusst weglassen, ist es keine Strategie, sondern eine Wunschliste.

Die vier Bestandteile

1. Ein messbares Zielbild

„Mehr Umsatz" ist kein Zielbild, weil sich daraus keine Entscheidung ableiten lässt. Brauchbar wird es, wenn klar ist, woher das Wachstum kommen soll: neue Kundengruppen, höhere Abschlussquote bei bestehenden Anfragen, mehr Anfragen, bessere Preise oder weniger Abwanderung. Jede dieser Antworten führt zu einer anderen Strategie.

2. Zielgruppen mit echten Bedarfen

Der häufigste Fehler ist die Zielgruppendefinition nach demografischen Merkmalen. Für die meisten Mittelständler ist irrelevant, ob der Einkäufer 42 oder 51 ist. Relevant ist die Situation: Was hat ihn dazu gebracht, überhaupt zu suchen? Welche Alternative erwägt er? Wovor hat er Angst? Wer entscheidet mit?

3. Eine Positionierung, die stimmt

Die Positionierung ist die Antwort auf die Frage, warum jemand Sie wählt und nicht den Wettbewerb. Sie muss drei Bedingungen erfüllen: Sie muss wahr sein, sie muss für die Zielgruppe relevant sein, und der Wettbewerb darf sie nicht genauso behaupten können. Fällt eine Bedingung weg, ist es eine Floskel.

Ein Test: Streichen Sie Ihren Firmennamen aus Ihrer Positionierung und setzen Sie den Ihres stärksten Wettbewerbers ein. Wenn der Satz weiterhin stimmt, positionieren Sie nicht, sondern beschreiben nur Ihre Branche.

4. Priorisierung

Hier scheitern die meisten Strategien. Nicht an der Analyse, sondern an der Weigerung, etwas wegzulassen. Mittelständische Unternehmen haben selten das Budget, alle Kanäle ordentlich zu bespielen. Drei Kanäle halbherzig schlagen nie einen Kanal konsequent.

Ein Vorgehen, das funktioniert

  1. Bestandsaufnahme. Alle laufenden Maßnahmen auflisten und ehrlich bewerten: Was davon wirkt nachweisbar, was läuft aus Gewohnheit weiter?
  2. Zielbild schärfen. Woher soll das Wachstum konkret kommen? Eine Antwort, nicht fünf.
  3. Zielgruppen und Bedarfe. Am besten aus echten Gesprächen mit Kunden, nicht aus Annahmen im Besprechungsraum.
  4. Positionierung erarbeiten. So lange schärfen, bis der Wettbewerbstest bestanden ist.
  5. Hebel identifizieren. Wo entsteht mit vorhandenen Ressourcen die größte Wirkung?
  6. Priorisieren und streichen. Eine Liste dessen, was ab sofort entfällt. Schriftlich.
  7. Roadmap. Maßnahmen mit Verantwortlichkeit und Zeitrahmen. Ohne Namen daneben passiert nichts.

Die drei häufigsten Fehler

FehlerWas stattdessen hilft
Die Strategie wird extern geschrieben und präsentiert Das Team erarbeitet sie mit. Was nicht im Kopf der Umsetzenden entstanden ist, wird nicht umgesetzt.
Alles ist wichtig, nichts wird gestrichen Eine explizite Nicht-Liste. Sie ist der wertvollste Teil des Dokuments.
Kanäle werden vor der Positionierung gewählt Erst die Frage beantworten, warum jemand kauft. Der Kanal folgt daraus.

Wie lange das dauert

Ein fokussierter Strategieworkshop kann in ein bis zwei Tagen eine tragfähige Grundlage schaffen, wenn die richtigen Menschen im Raum sind. Kommen Bestandsaufnahme, Kundeninterviews und Marktbetrachtung dazu, sind einige Wochen realistisch.

Entscheidend ist ohnehin weniger die Dauer als die Beteiligung. Eine Strategie, die in zwei Tagen mit dem Team entsteht, wirkt mehr als eine, die in zwei Monaten extern geschrieben wurde.

Mehr zum Vorgehen: Marketingstrategie entwickeln. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Beratung oder eine Agentur brauchen, hilft die FAQ weiter.

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